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Endlich: Der englische Literatur-Kanon bekommt einen Sinn!
Thursday Next ist Agentin, Literatur-Agentin! Was sich auf den ersten Blick totlangweilig und entschieden zu Bibliotheken-lastig anhört, ist eine recht spannende Angelegenheit, die selbst James Bond ins Schwitzen geraten lassen würde: Denn die Welt, in der Thursday ihren Job ausübt ist irgendwo in den letzten einhundert Jahren von der unseren abgebogen und hat sich recht eigenwillig, aber auch spannend entwickelt. Denn Agentin Next lebt in einem anderen England, voller Bücher-Fanatiker, einer alles beherrschenden Firma, nicht aufhörende Kriege gegen das Zarenreich und einer angespannten politischen Situation zwischen dem eigenen Land und dem sozialistischen Staat Wales. Das etwas andere England und die gefährlichen Abenteuer der Literatur-Agentin Thursday Next verdanken wir dem walisischen Autoren Jasper Fforde (ja, mit zwei F !) und seinem Roman Der Fall Jane Eyre
So mancher mag nun aufhorchen. Jane Eyre? Den Namen kenne ich doch! Natürlich tun Sie das, denn Sie sind nun enttarnter Student / Studierter der englischen Literatur oder einfach begeisterter Leser viktorianischer Romane. Der Roman Jane Eyre stammt von der Autorin Charlotte Brontë und gilt aufgrund seiner in erster Person geschriebenen, emotionalen Erzählform und der starken Hauptfigur als großer Klassiker. Ich selbst habe das Buch gesehen, geschmeckt, aber nie gelesen. Braucht man auch nicht, aber es ist schon von Vorteil, wenn man das Werk beim Lesen von Der Fall Jane Eyre einordnen kann. Und nicht nur das Werk trifft man immer wieder, sondern auch einige andere Klassiker, die wir so gerne verdrängen, da sie auf uns zwischen hektischem Alltag und Nachtruhe einfach zu sperrig erscheinen. Aber in der Welt der Thursday Next liest man anders. Hier sind Surrealisten ausgewachsene Punks, die sich Straßenschlachten mit den konservativeren Literaten liefern, da umrankt Shakespeare mehr Verschwörungstheorie, als es Lady Diana es bei uns je schaffen könnte. Und so bewusst wie die FFordischen Menschen mit ihrem Literaturerbe umgehen, so tut es auch ihr Schöpfer. Nicht, dass er mit erhobenem Zeigefinger die Qualitäten seiner Lieblingsautoren hervorheben würde, nein, er nutzt gewitzt ganz andere literarische Möglichkeiten aus: Seine Welt ist bevölkert von überlegener Genetik, unmöglichen Kreaturen, unkontrollierter Zeit und entsprechenden – reisenden und sogar einem Bruch zwischen Fiktion und Realität. Seine Charaktere erarbeiten sich eine markante Schrulligkeit und sind so wunderbar humorvoll gezeichnet, dass die ein oder andere umgeschriebene Klassiker-Figur sich formgerecht einpasst. Science Fiction, Fantasy und die so gerne als überlegen gekennzeichnete Welt des Klassiker-Kanons ergeben ein lustig, gewitztes aber auch James Bond-artig spannendes Thriller-Komödien-Konglomerat der besseren bis sehr guten Art. Unterhaltsam ist dies allemal. Und wer sich nun fragt, worum es eigentlich geht, dem sei nur noch gesagt: Plots sind dafür da gelesen zu werden. Zusammenfassungen werden da uninteressant.