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Koreanisches Kino: Running Wild

>>> Geschrieben am 20 März, 10:32 von Knut Brockmann

Korea hat ein kleines, klassisches Problem mit der noch jungen Demokratie: Die Stärken der völkischen Selbstbestimmung und der Freiheit des Einzelnen liegen ja auf der Hand, nur die damit auftauchenden “Nachteile”, die Kosten der Freiheit, werden gerne übersehen.

Running Wild ist filmisch genau das Problem, der Film ist eine Vermengung von jung-demokratischem Action-Film und schwer reaktionär denkendem Noir-Thriller / Heroic
Bloodshed-Mix. Auch wenn man nie genau weiss, wie die Message des Films eigentlich aussehen soll, sie wirkt jedenfalls äußerst rechts außen.

So rufen die gechasten Sympathieträger und Hauptfiguren, der eine einst als Anwalt heerer Prägung immer mit Mitteln der Rechts gegen die bösen Buben kämpfend, in einer Verhandlung pathetisch aus: “Wo leben wir denn, wenn wir gegen die Gangster nicht einmal mit ihren Mitteln der Gewalt vorgehen dürfen!” Tja, in einer Demokratie eben. Und diese hat ihre notwendigen Durchlässigkeiten, die so mancher Gangster ausnutzen kann. Ihre Antwort: So schnell wie möglich Selbstjustiz üben.

Es ist unsicher, ob der Film hier wirklich fest Position bezieht oder eine gewisse Distanz zu seinen Figuren hält, immerhin verwendet er ausgiebig Genre-Elemente, die an sich reaktionär sind und nur innerhalb eines Genre-Rahmens beurteilt werden sollten. Ich will und kann darüber nicht urteilen, denn für mich liegt zumindest die Hälfte der Filmkonstruktion beim Zuschauer. Dennoch ist der Film in seiner Handlungsdarstellung: “ehemaliger Supergangster kanidiert für ein Amt und Staatsanwalt versucht, seine Machenschaften aufzudecken, scheitert aber an die miesen juristischen Tricks und Morden” höchst naiv und politisch auf tiefstem Niveau entrüstet. Problem ist, dass die Handlung auf der einen Seite typische Genre-Konstrukte enthält, dann aber wieder politisch durchaus an die Realität angelehnt scheint.

Korea-typisch ist die ungeheuer ordentliche technische Umsetzung. Für gefestigte Charaktere kann der Film entsprechend eine hochinteressante Reise in die demokratische Seele des Südkorea bieten oder einfach ein stark gemachtes Stück Genre-Kino bieten. Bauschschmerzen blieben, zumindest bei mir, aber ein dauernder Begleiter…

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